Institut für Religionspädagogik und Medienarbeit

Wer’s glaubt, wird selig!? – Erster ReliLehrerTag im Erzbistum Paderborn

Der Paderborner Kabarettist Erwin Grosche gab beim ersten ReliLehrerTag Impulse zum Glauben in der Alltagswelt von Kindern.Foto: Lioba Kolbe Paderborn, 14. September 2015. Rund 50 Religionslehrerinnen und -lehrer an Grund- und Förderschulen im Erzbistum Paderborn trafen sich Anfang September zum ersten ReliLehrerTag im Bildungshaus Liborianum in Paderborn, um dem eigenen Glauben „auf den Grund zu gehen“. Lioba Kolbe vom Institut für Religionspädagogik und Medienarbeit im Erzbistum Paderborn (IRUM) und Petra Lillmeier vom Institut für Lehrerfortbildung (IfL) begleiteten den Tag.      

„Mit Kopf, Herz und Hand mit Kindern Glauben (er)leben – auch in der Schule?!“ – diesem Gedanken gingen die Religionslehrerinnen und -lehrer bei ihrer Zusammenkunft nach. Die Intention des Tages war, sich einmal Zeit zu nehmen, um über den eigenen Glauben nachzudenken, ins Gespräch darüber zu kommen und Quellen des Glaubens zu entdecken – immer auch auf dem Hintergrund des eigenen Berufes und der eigenen Berufung als Religionslehrer.  

Den „etwas anderen Einstieg“ in diese Fragestellung gestaltete der Paderborner Kabarettist und Schauspieler Erwin Grosche. Rückgebunden an die Orte seiner Jugend verstand es Grosche, mit seinen Texten, Gebeten und Geschichten das „Mysterium des Glaubens“ in der Alltagswelt von Kindern – und auch von Erwachsenen –  zu verorten. Grosche ließ dadurch spürbar werden, dass Gott in allem ein präsenter Ansprechpartner und achtsamer Begleiter ist, der darauf wartet, dass er wahrgenommen und angesprochen wird:      

„Lieber Gott,  
gut geht´s mir dann,  
wenn ich mit dir reden kann.“ …      

Anfang September 2015 fand im Erzbistum Paderborn der erste ReliLehrerTag statt.Foto: Lioba Kolbe und das, so Grosche, könne der Mensch zu jeder Gelegenheit: beispielsweise beim Aufwachen und Zähneputzen, beim Tauchen und Zimmeraufräumen, beim Essen und Schlafengehen. Dass das Sprechen mit Gott auch Freude machen und Lachen hervorrufen kann und eine große Lebendigkeit entwickeln kann, zeigte sich auch bei Grosches Publikum, den Religionslehrerinnen und -lehren.      

Der bekannte Theologe Karl Rahner habe einmal gesagt, dass das Wesentliche des Glaubens ganz einfach sei, erklärte Erwin Grosche. Diese Erkenntnis findet sich auch in den Gebeten des Paderborner Künstlers wieder, wenn er formuliert:      

„Wir leben nicht vom Brot allein,  
wir brauchen auch dein Wort.  
Drum sprich mit uns an jedem Tag  
und auch an jedem Ort.“      

Solche Worte ermöglichen Kindern die Erfahrung, dass Beten etwas mit ihrem ganz persönlichen alltäglichen Leben zu tun hat. Dass Bibelgeschichten höchst aktuell sind, zeigte Erwin Grosche schließlich mit dem „Gleichnis vom verlorenen Sohn“, das er aus drei verschiedenen Perspektiven sehr lebendig und damit auch persönlich für jeden gut nachzuempfinden beleuchtete.  

Im „World-Café“ diskutierten die Lehrerinnen und Lehrer anschließend über die Frage „Wie peinlich ist das denn, wenn ich über meinen Glauben rede!“ Und „Wie gehe ich damit in meinem Religionsunterricht um?“ Ganz unterschiedliche Meinungen und Haltungen kamen bei dem Austausch dazu zusammen:

  • „Wenn ich nicht authentisch bin, dann mache ich mir und den anderen etwas vor.“
  • „Manchmal bin ich sprachlos, wenn ich über meinen Glauben reden soll.“
  • „Wenn Kinder Glauben nicht in der Schule erleben, dann erleben sie ihn oft gar nicht. Der Religionsunterricht ist heute manchmal die einzige Chance für Kinder, dem Glauben zu begegnen.“
  • „Als Relilehrer stehe ich oft auf verlorenem Posten ganz alleine da.“
  • „Eine ‚Haltung‘ kann nicht verordnet werden. „Katholisch“ auf dem „Firmenschild Schule“ allein genügt nicht.“
  • „Die Praxis des Glaubens besteht aus vielen Ritualen. Rituale geben Halt, Kindern und Erwachsenen.“      

Die Vergewisserung über den eigenen Glauben als Religionslehrerin und -lehrer stand im Zentrum des ersten ReliLehrerTages im Erzbistum Paderborn.Foto: Lioba Kolbe Am Nachmittag ging es in Workshops um diverse Themen und Methoden für die Unterrichtspraxis. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sich fragen: „Glaubst du? … es gibt diesen Gott …?!“, um dann auf ihren Unterricht zu blicken: Wie kann ich mit Kindern philosophieren und theologisieren? Mit der „Godly Play Methode“, ein an das pädagogische Konzept von Maria Montessori angelehntes Spielen, Erzählen und Nachdenken, wurden biblische Geschichten lebendig. Sehen lernen, auch mit den Augen des Glaubens: Dabei ging es um achtsames Wahrnehmen und um die Fähigkeit, auch hinter die Dinge zu schauen, eine Sehhilfe für „blinde“ Sehende. Dass Musik und Religion wunderbare Partner sind, die den Glauben zum Klingen bringen können, konnten die Teilnehmenden durch Lied und Tanz ganzheitlich erleben.  

Ein gemeinsamer Gottesdienst stand am Ende des 1. ReliLehrerTages im Erzbistum Paderborn, der in seiner schlichten Intensität spürbar werden ließ, dass „Glauben selig machen kann“.       

Quelle: pdp; Fotos und Text: Lioba Kolbe 

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