Institut für Religionspädagogik und Medienarbeit

„Katholische öffentliche Büchereien tragen eine missionarische Kraft in sich“

Das 100-jährige Jubiläum der Büchereifachstelle im Erzbistum Paderborn wurde mit einem „Fest der Begegnung“ im Hohen Dom zu Paderborn und im Heinz-Nixdorf-MuseumsForum gefeiert (v. l.): Gunda Ostermann (Geschäftsführerin Borromäusverein), Erzbischof Hans-Josef Becker, Dr. Manfred Lütz, Moderatorin Jutta Loke, Dompropst Msgr. Joachim Göbel (Diözesanpräses für Büchereiarbeit im Erzbistum Paderborn), Hubert Vitt-Wagener (Leiter der Büchereifachstelle im Erzbistum Paderborn) und Gerhard Krombusch (Direktor des Instituts für Religionspädagogik und Medienarbeit im Erzbistum Paderborn IRUM). Foto: pdp Seit 100 Jahren berät und begleitet die Büchereifachstelle des Erzbistums Paderborn fast 240 Katholische öffentliche Büchereien und ist für die Aus- und Fortbildung der dort tätigen rund 2.000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich. Das 100-jährige Jubiläum der Fachstelle wurde 2014 mit zahlreichen Gästen in Paderborn begangen. Zum Auftakt feierte Erzbischof Hans-Josef Becker einen Festgottesdienst im Hohen Dom. Anschließend fand ein Festakt im Heinz-Nixdorf-Museumsforum statt, bei dem der Arzt, Theologe und Bestsellerautor Dr. Manfred Lütz die Festrede hielt.

Die heutige Büchereifachstelle wurde 1914 als Diözesanverband der Borromäusvereine in der Diözese Paderborn gegründet. Der Borromäusverein mit Sitz in Bonn ist die Zentralstelle der katholischen Büchereiarbeit. 1960 wechselten die Büchereien in die Trägerschaft der Kirchengemeinden und die bisherigen Diözesanstellen in die Trägerschaft der Bistümer.

Erzbischof Hans-Josef Becker feierte mit zahlreichen Gläubigen zu Beginn der Jubiläumsfeier die Heilige Messe im Hohen Dom zu Paderborn.Foto: pdp Im Festgottesdienst im Hohen Dom sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt, angesichts der großen materiellen Not vieler Menschen in der Welt werde oft der Mangel an Bildung übersehen, der den Zugang zu Ausbildung und Berufsleben erschwere. „Unsere Büchereien leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass Menschen sich bilden können. 233 Katholische öffentliche Büchereien in unserem Erzbistum zählen fast 50.000 Nutzer – das ist eine beeindruckende Zahl", sagte Erzbischof Becker.

Ohne Engagierte, die ihre Freizeit einsetzen, sei die Arbeit der Katholischen Büchereien nicht möglich, so der Paderborner Oberhirte weiter. Er dankte den ehrenamtlichen Mitarbeitenden für ihren Einsatz: „Es ist ein wirklicher ‚diakonaler Dienst’, den Sie leisten, ein Dienst am Mitmenschen, durch den Sie Kirche ein Gesicht geben." In den Katholischen öffentlichen Büchereien werde nicht nur Bildung „niederschwellig" zugänglich gemacht, vielmehr auch der Glaube an Gott. „Unsere Büchereien sind wirklich ‚pastorale Orte’, an denen der Glaube lebt und weitergegeben wird. Sie tragen eine missionarische Kraft in sich, denn es werden nicht wenige sein, die der ‚Erstkontakt’ in der Bücherei weiter hineinführt in den Glauben", sagte Erzbischof Becker zum Abschluss seiner Predigt.

Beim anschließenden Festakt im Heinz-Nixdorf-MuseumsForum begrüßte Dompropst Monsignore Joachim Göbel, Leiter der Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat, als neuer Diözesanpräses für katholische Büchereiarbeit im Erzbistum Paderborn die Gäste: „Wir feiern heute im Großen das, was Sie immer wieder aufs Neue in Ihrer alltäglichen Arbeit erleben: ein ‚Fest der Begegnung’." Er verlas einen Brief seines Vorgängers, Monsignore Christian Reinhard, der nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte. Der frühere Diözesanpräses dankte darin allen Mitarbeitenden in der Büchereifachstelle und allen Ehrenamtlichen in den Katholischen Büchereien und wünschte weiterhin Gottes Segen für deren wertvolle Arbeit.

Jutta Loke, die als Moderatorin durch die Veranstaltung im Heinz-Nixdorf-MuseumsForum führte, befragte Erzbischof Hans-Josef Becker nach seiner Sicht auf die Katholischen öffentlichen Büchereien im Erzbistum Paderborn. Foto: pdp Jutta Loke, die als Moderatorin durch die Veranstaltung führte, befragte Erzbischof Hans-Josef Becker in einem kurzen Gespräch nach seiner Sicht auf die Katholischen öffentlichen Büchereien im Erzbistum Paderborn. Der Paderborner Erzbischof lobte erneut die treue Mitarbeit aller in der Büchereiarbeit im Erzbistum Paderborn engagierten Menschen. „Hier wird an einem ‚pastoralen Ort’ ein überzeugendes Zeugnis von Mensch zu Mensch abgelegt. Die Büchereiteams sind ‚auf Sendung’, nicht nur für Mitglieder der jeweiligen Gemeinde, vielmehr einladend für alle Menschen", sagte Erzbischof Becker im Interview. Fast die Hälfte aller öffentlichen Büchereien in Deutschland seien in kirchlicher Trägerschaft, unterstrich Gunda Ostermann, Geschäftsführerin des Borromäusvereins aus Bonn, die Bedeutung der Katholischen öffentlichen Büchereien in einem Grußwort. „Qualitativ wie quantitativ ist die Kirche im Bereich Büchereiarbeit ein wichtiger Kulturträger", so Ostermann.

Dr. Manfred Lütz ermutigte in seinem kabarettistischen Festvortrag zu mehr Achtsamkeit für das eigene reale Leben und für die Begegnung mit dem Nächsten. Foto: pdp Dr. Manfred Lütz ist Arzt, Theologe, Bestsellerautor und mittlerweile auch als Kabarettist bekannt. Trotz seines engen Terminkalenders war er aus langjähriger Verbundenheit mit der Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat der Einladung gefolgt, zum 100-jährigen Jubiläum der Büchereifachstelle im Erzbistum Paderborn den Festvortrag zu halten. Im Fokus seines kabarettistischen Vortrags, der nachdenkliche Standpunkte mit viel Witz vermittelte, stand sein jüngstes Buch „BLUFF! Die Fälschung der Welt". „Wir leben zunehmend in künstlichen Welten, die existenzielle Erfahrungen ausklammern. Oft erscheint die ‚Wirklichkeit’ der Medien realer, als das eigene unwiederholbare Leben, das begrenzt ist", so der Arzt und Theologe. Er ermutigte zur Achtsamkeit für das eigene reale Leben und für die Begegnung mit dem Nächsten. Das Ziel menschlichen Lebens könne nicht permanentes Glück sein, vielmehr das Auf und Ab des ‚wahren Lebens’ mit existenziellen Erfahrungen wie beispielsweise Liebe oder auch Trauer. „Wir laufen Gefahr, uns in Rollen zu verlieren. Vor diesem Hintergrund kann der regelmäßige Besuch des Gottesdienstes so wichtig sein: Hier kann der Mensch ganz er selbst sein vor Gott. Aufgabe der Kirche ist es, existenziell-spirituelle Erfahrungen zu ermöglichen", so Dr. Manfred Lütz.

„Lesen oder nicht lesen. Ist das hier die Frage?" Diese rhetorische Frage stand am Nachmittag über einer musikalisch-literarischen Revue, mit der die Gruppe „The Colour of Soundpoetry" die Feier zum 100. Geburtstag der Büchereifachstelle im Erzbistum Paderborn abrundete.

Hintergrund: Die Büchereifachstelle im Erzbistum Paderborn

Die Büchereifachstelle gehört seit 2007 zur Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat. Ihre Dienstleistungen für die Katholischen öffentlichen Büchereien sind vielfältig, wobei vor allem die Aus- und Fortbildung der vielen ehrenamtlichen Büchereiteams vor Ort einen wichtigen Teil der Arbeit ausmacht – von der Vermittlung bibliothekarischen Grundwissens über Verwaltungsarbeiten bis hin zu kreativen Modellen der Öffentlichkeits- und Veranstaltungsarbeit.

Einige ehrenamtliche Mitarbeitende der Katholischen öffentlichen Büchereien hatten im Gottesdienst symbolisch die „Gaben der Ehrenamtlichen“ zum Altar getragen, wo sie als Logo der Katholischen öffentlichen Büchereien aufgestellt wurden. Foto: pdp Die Büchereifachstelle wirkt mit bei der Einbindung der Büchereien in die neuen Strukturen in den Gemeinden. Mitarbeiter der Büchereifachstelle engagieren sich in Arbeitsausschüssen und Gremien des Borromäusvereins. Darüber hinaus vertritt die Büchereifachstelle die Anliegen der Büchereien auf landespolitischer Ebene in der Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Büchereifachstellen in Nordrhein-Westfalen, ebenso im Verband der Bibliotheken NRW und im Deutschen Bibliotheksverband.

In den Büchereiteams arbeiten Alt und Jung zusammen, die Arbeit in der Bücherei wird von vielen Ehrenamtlichen als bereichernd empfunden – für sich selbst und für die Menschen, die über das Medium Buch miteinander in Kontakt kommen. „Die Büchereiarbeit verbindet meine Leidenschaft für Bücher mit dem guten Zweck des Ehrenamtes", sagt Daniel Bald aus Schmallenberg. Und Ursula Klasmann aus Herzebrock-Clarholz betont: „Mir ist wichtig, mit dem Angebot ausgewählter Medien und allgemeiner Leseförderung dazu beizutragen, den Blick für Vielseitigkeit zu weiten." Dr. Petra von der Osten aus Dortmund-Sölde berichtet aus ihrer Erfahrung: „Als Bücherei haben wir die Möglichkeit, niederschwellig nach außen in die kommunale Gemeinde wirken zu können." Viele KÖB arbeiten mit den Kindergärten und Schulen vor Ort eng zusammen.

Leistungen der Katholischen öffentlichen Büchereien im Erzbistum Paderborn im Jahr 2013

Büchereien 233
Leser 49.916
Mitarbeiterinnen/-arbeiter 1.953
Ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden 56.759
Teilnehmer an Fortbildungsmaßnahmen 168
Durchgeführte Veranstaltungen 2.413
Medienbestände 844.301
Medienausleihe 1.029.497

Deutsche Bibliotheksstatistik (DBS) 2013, Zahlen Stand 31.12.2013

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