Institut für Religionspädagogik und Medienarbeit

Musiktheater als „Problemteppich“ und religionspädagogische Herausforderung

Dortmund, 26.4.2016 Benjamin Brittens große Oper „Peter Grimes“ wurde am Theater Dortmund durch ein Fortbildungsangebot für Religionslehrerinnen und Religionslehrer zum Gegenstand einer spannenden Auseinandersetzung über Kunst und Religion.

Die schillernde Opernfigur des Peter Grimes ist immer wieder auf neue Weise gedeutet worden: eine der großen einsamen und unergründlichen Rollen der modernen Operngeschichte. Die provozierende Dortmunder Neuinszenierung von Tilman Knabe war Anlass genug, die Aktualität des Stoffes, einer „sperrigen Geschichte“, und die existentiellen Fragen von Leben, Schuld und Tod mit Blick auf den berufsschulischen Religionsunterricht miteinander in Beziehung zu setzen. Abgesehen davon, dass unter pädagogischen Gesichtspunkten eine Chance darin liegen könnte, den Schülern und Auszubildenden etwas zu zeigen, was sie so noch nie gesehen und gehört haben, bleibt natürlich ein Akzeptanz-Risiko – aber selbst dann hinterlässt das Geschehen auf der Bühne seine Spuren – mit nicht kalkulierbaren Folgen.

Zunächst mussten sich die Religionslehrer (stellvertretend für ihre Schülerinnen und Schüler) auf dieses herausfordernde Experiment einlassen – und dann ergab sich das, was der Allround-Kreative Kurt Schwitters einmal so beschrieben hat: „Ein Spiel mit ernsten Problemen. Das ist Kunst.“

Im zweiten Jahr in Folge bot das Erzbistum Paderborn mit „Peter Grimes. Vertrauen verbauen“ zusammen mit der Oper Dortmund eine solche Fortbildung an. Initiiert wurde sie von Heike Buderus, die Musiktheaterpädagogin der Oper Dortmund ist, und Sebastian Bialas. Zusammen mit Dieter Kost, wie Bialas Bezirksbeauftragter für den Religionsunterricht an Berufskollegs in Dortmund, bildeten sie mit Werner Schaube, Carla und Jan Duve sowie Valentina Sivric ein engagiertes Vorbereitungsteam, das verschiedene Zugänge zu dieser Oper vorstellte.

Das Verständnis und die Botschaft des Gesamtkunstwerkes standen im Zentrum der Erarbeitung: Was löst das Opern-Erlebnis beim Zuschauer aus, was bleibt unbeantwortet angesichts der bewegenden Frage „Wie geht Leben?“ Zahlreiche Zugänge (Libretto, Musik, dramaturgische Konzeption, Bühnenbild, Kostüme) halfen den interessierten Religionspädagogen die Komplexität zeitgenössischen Musiktheaters besser zu verstehen, um es didaktisch „nutzen“ zu können. Der Blick hinter die Kulissen war ebenso hilfreich wie das Erleben intensiver Probenarbeit.

Das Theater leistet auf seine Weise einen Dienst „kultureller Verkündigung“, der den Kunstschaffenden nicht weniger abverlangt als den Religionslehrern im großstädtischen Milieu. Mit der Erkenntnis, dass im günstigsten Fall punktuelle Theater-Eindrücke lebenslänglich haften, wurde der abschließende Opernabend für alle Beteiligten zu einem Erlebnis, das Lehrer manchmal auch im Unterricht erreichen möchten: pure Begeisterung. „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“ (Victor Hugo). Im Religionsunterricht ereignet sich zuweilen ähnliches wie Abend für Abend in den großen Opernhäusern auf der ganzen Welt.

Werner Schaube

 

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