Institut für Religionspädagogik und Medienarbeit

„Es gibt keinen Menschen, der nichts wert ist!“

Freuten sich über rund 70 Gäste beim Festakt im Liborianum (v.l.): Thomas Holzer, Dr. Siegfried Meier, Theo Horstkemper und Karikaturist Thomas Plaßmann.Foto: pdp Paderborn, 13.6.2016 (pdp). Vor einem halben Jahrhundert entstand in Soest die Diözesangemeinschaft Paderborn im Verband der katholischen Religionslehrerinnen und Religionslehrer an Berufskollegs e. V. (VKR-Bund) – kurz nach Gründung des Gesamtverbandes. Ebenso wurden schon damals die ersten Bezirksbeauftragten im Erzbistum Paderborn zur Unterstützung der Religionslehrer an Berufskollegs ernannt. „Wir halten den Himmel offen“ – so das VKR-Leitwort. Bezirksbeauftragte und VKR-Diözesangemeinschaft begingen jetzt im Paderborner Bildungs- und Gästehaus Liborianum das runde Jubiläum ihrer guten Zusammenarbeit. Erzbischof Hans-Josef Becker feierte mit den rund 70 Gästen zum Auftakt des Jubiläumstreffens in der Kapuzinerkirche einen Festgottesdienst.

Die Religionslehrer an Berufskollegs und die Bezirksbeauftragten verbindet seit 50 Jahren eine besondere Zusammenarbeit: In den Anfängen des VKR erteilten an den Berufskollegs vor allem Geistliche Religionsunterricht – neben ihren Tätigkeiten als Gemeindeseelsorger. Deshalb erhielten andere Religionslehrer aus unterschiedlichen Bezirken die staatliche Beauftragung, diese Geistlichen zu unterstützen. Dieses Unterstützungssystem hat bis heute Bestand – wenn auch die Religionslehrer an Berufskollegs nicht mehr überwiegend Geistliche sind, so aber doch vor dem Hintergrund der besonderen Bedingungen an Berufskollegs mit ihren unterschiedlichen Fachklassen.

Zu Beginn des Jubiläumstreffens feierte Erzbischof Hans-Josef Becker (Mitte) mit den Religionslehrerinnen und -lehrern einen Festgottesdienst in der Kapuzinerkirche.Foto: pdp Erzbischof Becker setzte in seiner Predigt im Festgottesdienst das biblische Gleichnis vom Feigenbaum, der drei Jahre keine Frucht bringt und dem der Gärtner dennoch eine weitere „Gnadenfrist“ gibt, in Beziehung zur Arbeit der Religionslehrer: „Schon junge Menschen in der Ausbildung sind einem großen Druck ausgesetzt, Frucht zu bringen. Sie stehen in wirtschaftlichen Zusammenhängen unter Erfolgsdruck, Schwächere bleiben außen vor und erhalten erst gar keinen Ausbildungsplatz. Wer keine Frucht bringt, kann gehen“, stellte der Paderborner Erzbischof fest.

Religionslehrer seien ein Anwalt dieser jungen Menschen. „Sie tun dies aus der Überzeugung des christlichen Menschenbildes heraus, aus der Haltung Jesu, der die Menschen nach anderen Maßstäben bewertet. Es gibt keinen Menschen, der nichts wert ist“, sagte Erzbischof Becker. Der Religionsunterricht habe die Aufgabe, den Menschen mit seinen verschiedenartigen Begabungen in den Blick zu nehmen, fuhr er fort: „Gerade im Hinblick auf schwächere Schülerinnen und Schüler ist das ein wichtiger Dienst. Denn er schenkt das Gefühl, etwas wert zu sein vor Gott und für die Mitmenschen.“

Frucht bringen könne nur, wer Wurzeln geschlagen habe, so Erzbischof Becker weiter. Das Christentum habe mit dem Evangelium einen tragenden Wurzelgrund anzubieten. „Ich bin mir bewusst, dass der Dienst, den Sie verrichten, kein leichter ist. Das Ackerfeld, das Sie zu bearbeiten haben, wird steiniger, ausgelaugter, die Umwelteinflüsse sind ungünstig. Umso mehr möchte ich diesen Festtag nutzen, Ihnen von Herzen Dank zu sagen“, sagte Erzbischof Becker zum Abschluss seiner Predigt.

Zu Beginn des offiziellen Teils des Festaktes im Liborianum begrüßte Theo Horstkemper, langjähriger Erster und jetziger Zweiter Vorsitzender der VKR-Diözesangemeinschaft Paderborn, die rund 70 Gäste, bevor er an seinen Nachfolger im Amt als Erster Vorsitzender, Thomas Holzer, übergab. VKR und Bezirksbeauftragte hätten sich in den letzten 50 Jahren zu einer Mannschaft mit gutem Teamgeist entwickelt, sagte Holzer am Tag der Eröffnung der Fußball-Europameisterschaft. „Wir Lehrer sind für unsere Schüler Trainer für das Spiel, das sich Leben nennt. Das Spielfeld, unsere Gesellschaft, ist unübersichtlicher geworden. Als Trainer schauen wir darauf, was wachsen kann. Gleichzeitig sind wir auch selber Spieler, die immer wieder ins Trainingslager fahren und in Form von Fortbildungen unsere technisch-methodische, aber auch unsere mental-spirituelle Stärke trainieren“, so Thomas Holzer.

Dr. Siegfried Meier, Leiter des Referates Religionspädagogik am Institut für Religionspädagogik und Medienarbeit im Erzbistum Paderborn (IRuM), ergänzte: „Wenn vor 50 Jahren nicht einige Menschen mutig gewesen wären, würde es heute nicht dieses profunde System der Unterstützung für Religionslehrer an Berufskollegs geben. Wir sitzen alle in einem Boot. Berufskollegs haben mit ihren verschiedenen Fachrichtungen ihre ganz eigene Dynamik.“ Zum VKR-Leitwort „Wir halten den Himmel offen“ sei er einmal gefragt worden, ob dieses nicht ein wenig vermessen klinge: „Natürlich hat den Himmel ein anderer geöffnet, aber wir können daran mitwirken, dass er immer ein Stück geöffnet bleibt“, so Dr. Meier.

Karikaturist Thomas Plaßmann zauberte in Windeseile zahlreiche Karikaturen aufs Papier, hier zum Thema Fronleichnam.Foto: pdp Eine ganz besondere Performance erwartete die Festgäste von Cartoonist und Karikaturist Thomas Plaßmann aus Essen, der live Karikaturen zeichnete und kommentierte. So entstanden nicht nur in Windeseile Zeichnungen von politischen Größen wie Helmut Kohl oder – mit der entsprechenden „Kanzlerinnen-Raute“ – Angela Merkel, sondern vor allem auch zu kirchlichen Themen. Thomas Plaßmann, selber Katholik, erzählte, dass er es als „Geschenk Gottes“ betrachte, mit dem Zeichnen, was ihm Spaß mache, seinen Lebensunterhalt bestreiten zu dürfen. Trotzdem oder gerade deshalb greife er auch kirchliche Themen karikaturistisch auf. Das veranschaulichte er beispielsweise mit Karikaturen zur „Fastenzeit der kleinen Schritte“, zur „demonstrierenden Oma“ auf Fronleichnam, zum interreligiösen Dialog und zu weiteren Szenen aus dem Religionsunterricht. In diesem Kontext schloss Thomas Plaßmann mit seiner letzten Karikatur den Kreis zum VKR: Auf die Frage der dargestellten Mutter, was der Sohn denn heute im Religionsunterricht gemacht habe, ließ Plaßmann diesen mit „Den Himmel offen gehalten“ antworten.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen standen für die Religionslehrerinnen und Religionslehrer noch Führungen durch den Hohen Dom zu Paderborn auf dem Programm, bevor der Festakt mit der Ehrung langjähriger Jubilare ausklang.

(pdp-n-10.06.2016)

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